Archiv der Kategorie: International School of Düsseldorf

Links außen: Nackt im Museum, bald auch nackt im Kino?

Von Maya Mary Kühne, International school of Düsseldorf

Haben Sie sich mal vorgestellt, wie Sie sich nackt eine Ausstellung ansehen? Ich mir auch nicht, aber was sich manche Menschen so ausdenken: 100 Frauen und Männer haben tatsächlich ihr Geld dafür ausgegeben, um nackt andere Nackte zu sehen. Also, wenn man Rizz hat, muss man dafür kein Geld ausgeben. „Nachts im Museum“ ist mir da schon lieber, da sieht man zwar auch raue und faltige Haut, aber die versteinert zum Glück tagsüber. Außerdem, wenn man schon nackt in Museen gehen kann, soll man dann auch nackt in andere öffentliche Bereiche gehen? Ich plane nämlich schon den nackten Ausflug ins Kino mit meinen Freunden, und Sie? Vielleicht nackt in den Park, wie damals im englischen Garten? Oder doch lieber zum Na(ck)chtshopping in die Stadt? Wir sehen uns.

Leserbrief: Erhöhte Parkgebühren für SUVs in Paris

Von Allegra Begale, 9. Klasse, International School of Düsseldorf

Sehr geehrte Redaktion,

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über die geplanten erhöhten Parkgebühren für SUVs in Paris gelesen. Doch erlauben Sie mir, meine Meinung zu diesem Thema zu äußern: Was für ein schlechter Schachzug, der in eine Sackgasse führen muss!

Es scheint, als hätten die Verantwortlichen dieser Regelung ihr Gehirn im Leerlauf gelassen. Glauben sie ernsthaft, dass ein paar erhöhte Parkgebühren die Stadt von den vermeintlich verwerflichen SUVs befreien werden? Die Realität ist, dass diese Fahrzeuge oft als Statussymbole gekauft werden – ein Tribut an die Überheblichkeit, der manche erliegen. Diese Leute werden die erhöhten Gebühren ohne mit den Wimpern zu zucken bezahlen, vielleicht sogar als provokanten Akt des Widerstands.

Man könnte fast meinen, diese Regelung sei eine Art humoristisches Experiment: „Wie viele Euros braucht es, um einen SUV-Besitzer zu entmutigen?“ Spoiler-Alarm: Es werden viele Euros sein.

Autos sind für uns Düsseldorfer heilig – das verstehe ich nur zu gut. Besonders wenn die Rheinbahn mal wieder streikt und die Mobilität unserer Stadt auf die Probe stellt. Die Vorstellung, dass man während einer Messe, wenn Düsseldorf im internationalen Rampenlicht steht, auf die Auto-Alternative angewiesen ist, lässt einem den kalten Schweiß auf die Stirn treten.

Vielleicht sollte Paris ihre Energie lieber darauf verwenden, wirkliche Lösungen für Verkehrsprobleme zu finden, anstatt sich in einem absurden Tanz der Parkgebühren zu verlieren. Man merkt also, dass die ganze Sache nicht ganz zu Ende gedacht ist. Was ist mit den Großfamilien? Müssen sie sich nun zwei Autos kaufen, statt eines großen SUV? Ist dies nicht noch schädlicher für unsere Umwelt?

Viele Fragen, die noch offen sind. Aber bis dahin können wir uns wohl auf eine neue Art von SUV-Schauspiel in den Straßen von Paris freuen: „Die Mutigen, die trotz allem parken.“ Womöglich eine neue Touristenattraktion.

Hochachtungsvoll,

Allegra Begale

“Dieses Museum ist ein offener Ort” – aber war es ein bisschen zu offen?

Von Amelie Finzel, 9. Klasse, International School of Düsseldorf

Offenheit spielt eine wichtige Rolle in unserer Welt, jedoch hat diese in einem Museum in Münster ein Ausmaß angenommen, das doch recht ungewöhnlich ist. Besucher einer Führung durften sich unbekleidet die Ausstellung “Nudes” ansehen, eine Ausstellung über nackte Körper.

Da kommen also nackte Menschen in ein Museum, um Bilder von nackten Menschen anzusehen. Es war bestimmt eine befreiende Erfahrung für alle, die daran teilgenommen haben. Ich frage mich aber, wohin mehr geschaut wurde, auf die anderen Gäste oder die Bilder? Vielleicht hat der eine oder andere ja sogar gedacht, dass das Original manchmal besser aussieht als das Bild?

Die Teilnehmer der Führung haben sich wahrscheinlich nicht diese Gedanken gemacht, weil sie Nacktheit als Normalzustand ansehen. Kleidung ist nicht nur dazu da, um den Körper zu verstecken, sondern auch, um sich warm zu halten. Einige der nackten Teilnehmer haben dies sicherlich auch bemerkt. Fest steht aber: den Nackten auf den Bildern war die Temperatur egal!

Buch Rezension: Shatter me Serie – Eine fesselnde Dystopie in 11 Teilen

Von Ira Charlotte Schäfer, 9. Klasse, International School of Düsseldorf

Ein weiteres Buch, das gehypt wurde auf BookTok, Instagram und Co.: Eine Dystopie, ein Jugendbuch. Oft graut es einem vor dem Lesen eines solchen Buches, da die Bücher häufig nicht die durch Social Media entstandenen Erwartungen erfüllen. Diese unerfüllten Erwartungen entstehen durch aus dem Kontext gerissene Zitate und durch den nicht realitätsentsprechenden Hype. Doch dies ist bei Shatter Me überhaupt nicht der Fall. Shatter Me wurde 2023 wiederentdeckt und von der Buch Community gefeiert, dabei spaltete das Buch bereits 2012 die Gemüter. Die Serie, bestehend aus 11 Büchern, hat durch ihre fesselnde Geschichte und einmalige Erzählweise eine große Fangemeinde für sich gewonnen und wurde in der Presse für ihre packende Handlung und einzigartige Erzählstimme gelobt.

Die Autorin, Tahereh Mafi, entführt die Leser in ihrem Roman in eine Welt der Unterdrückung, Apokalypse und Ungleichheit der Mächte. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau mit einer gefährlichen Gabe: Ihre Berührung ist tödlich.

Seit 264 Tagen befand sie sich in Isolationshaft, von ihren Eltern und der Regierung weggesperrt. Gefangen in der Überzeugung, dass sie ein Monster ist und nicht fähig für ein richtiges gesellschaftliches Zusammenleben. Mit diesen Ängsten wird sie konfrontiert als Adam, ein Mann, den sie aus ihrer Vergangenheit kannte, ihr Zellengenosse wird. Sein Auftauchen ist kein Zufall, denn Warner, der Oberbefehlshaber des Sektors 45, möchte Juliette als Waffe in seinem Krieg für sich gewinnen. Doch Juliette beschließt, sich zu wehren und gegen ihn zu kämpfen. An ihrer Seite ist Adam, der ihr hilft, Warner zu entkommen. Ihr größter Wunsch ist es, Adam zu berühren, jedoch ist es gleichzeitig auch ihre größte Furcht, denn ihre Liebe wird in diesem Krieg fortwährend auf die Probe gestellt.

Ein zentraler Aspekt des Buches ist die Entwicklung der Hauptfigur Juliette und ihre Suche nach Identität. Durch ihre außergewöhnliche Gabe wird sie mit Selbstzweifeln und Selbstwertgefühlen konfrontiert.

Ihr Prozess, sich selbst zu akzeptieren und ihre Kräfte zu kontrollieren, spiegelt den universellen Konflikt wider, den viele Menschen bei der Frage nach ihrer eigenen Identität erleben. Dadurch können sich die Leser meist sehr schnell mit den Charakteren und Konflikten identifizieren, wozu eventuell  auch die Erzählperspektive beiträgt.

Ein besonders signifikantes Merkmal des Buches ist Mafis Schreibstil. Durch die Verwendung von durchgestrichenen Passagen, die die Gedanken von Juliette widerspiegeln, die sie sich selbst verbietet, schafft sie eine emotionale und verletzliche Atmosphäre, welche den Lesern ermöglicht, tief in die Gedankenwelt der Protagonistin einzutauchen. Auf diese Art und Weise hebt sie die innere Zerrissenheit Juliettes hervor. Es unterstreicht außerdem die Frage, ob Juliette durch ihre Isolierung und Gabe in den Wahnsinn gerutscht ist. Somit schafft Mafi es auch durch diese einmalige Technik den Leser nachdenklich zu stimmen und es entsteht eine gewisse Skeptik gegenüber Gedanken und Handlungen der Charaktere. Insgesamt bietet Shatter Me eine vielschichtige und mitreißende Leseerfahrung, die über die Grenzen des dystopischen Genres hinausragt. Durch ihre tiefgehende Thematisierung von Macht, Identität, Zukunft und Selbstwahrnehmung hat ihr Roman nicht nur einen hohen Unterhaltungsfaktor, sondern regt auch selbst zum Nachdenken an.

„Oben ohne durchs Museum: Münsters kunterbunte Kunstshow – Wann wird Düsseldorf nackt?“

Von Sophie Tang, 9. Klasse, International School of Düsseldorf

Münster LWL Museum – 100 Leute wagen sich unbekleidet ins Museum. Warum? Keine Ahnung. Kunst, Kultur oder doch purer Spaß? Die gelassenen Museumswärter bewahren die Ruhe. Vor allem Männer machen mit, wenige Frauen. Nacktsein als Naturerlebnis. Irgendwie lustig, vielleicht. Da schlendert Opa Günter ohne Hose durch die Kunstgeschichte, während die Museumswärter geduldig zuschauen – sie haben wohl schon alles gesehen. Kunst, Kultur und nackte Haut: Münster zeigt, wie man aus einem gewöhnlichen Museumsbesuch eine unvergessliche Show macht!

Und in Düsseldorf? Wann spazieren bei uns nackte Kunstliebhaber durch die Museumsnacht? Vielleicht sollten wir den Event Manager des Kunstpalastes in Düsseldorf freundlich schreiben: “Nackt Event in Düsseldorf – Warum nicht?“ Denn wer weiß, vielleicht ist die Landeshauptstadt schon bald das nächste heiße Ziel für freizügige Kunstliebhaber! Ich kann es kaum erwarten. Lasst euch überraschen, Düsseldorf!

Links aussen: Nackts im Museum

Von Kai Schikarski, International School of Düsseldorf

Man will einfach friedlich und entspannt als Wochenendtrip mit den Kindern ins Museum, um die Nacktbilder Ausstellung “Nudes” anzuschauen – und dann kreuzen da einfach mal 100 nackte Homo-Sapiens auf. Mir genügt auch ein Nackter in der Hallenbaddusche, aber gleich 100 von denen???  Stellen Sie sich doch mal vor, Ihr Chef steht nackt da und bewundert Nacktbilder! Na, zum Glück war die Ausstellung an diesem Abend ja gesperrt für die bekleidete Öffentlichkeit. Da wurden die Museumsbesucher auf einmal selbst zum Ausstellungsstück. Und bezahlt wird man auch nicht, umgekehrt zahlt man dafür, von irgendwelchen pubertierenden Jungs bewundert zu werden. Auf die Aufmerksamkeit kann ich gut und gerne verzichten. Aber immerhin wurde Gleichberechtigung bei dieser Ausstellung wertgeschätzt, wenn die Figuren auf den Bildern nackt sind, müssen sich die Betrachter halt aus Solidarität auch ausziehen. Das ist doch Datenschutz-Next-Level, wenn man ein Foto macht – natürlich von den Bildern!

Inspiriert von dieser wunderschönen Ausstellung ging ich letztens nackt ins Kino, doch dann kamen so Kunstbanausen in dunkelblauem Kostüm und mit so einem blinkenden Auto und haben mich einfach entführt. So ein Pech aber auch! Ich bleib am Ball, das nächste Nackt Event kommt sicher!

4-Tage-Woche in der Schule

von Tobias Steinbeck, Klasse 9, International School of Düsseldorf, Düsseldorf

Müdigkeit, keine Motivation, Lehrermangel und geringe Produktivität. Mindestens eins dieser Probleme stellt sich jede Schule in Deutschland. Die 4-Tage-Woche würde diese und noch viel mehr Probleme lösen.

Donnerstags früher ins Wochenende oder montags ausschlafen. Für viele Menschen ein Traum, für manche Schüler in Sachsen-Anhalt und viele Arbeitnehmer in Belgien Realität. Die 4-Tage-Woche wurde bereits in zwei Ländern eingeführt und gesetzlich verankert. Einige andere Länder experimentieren immerhin mit dem Konzept. Aber nicht nur Länder nähern sich der 4-Tage-Woche, sondern auch Firmen wie zum Beispiel Kontor Consulting GMBH in Deutschland oder KTM in Österreich. Diese haben während einer Testphase bemerkt, dass die Produktivität und Motivation der Arbeitnehmer anstieg. Des Weiteren gab es weniger Krankmeldungen, das Burnout-Risiko ist gesunken. Gerade in Kombination mit einer Homeoffice-Politik profitieren die Angestellten obendrein von mehr Freizeit.

Doch nicht in allen Unternehmen stieg die Produktivität. In manchen Fällen führte der Versuch sogar zu schlechteren Arbeitsergebnissen. Daher wurde mit viel Kritik auf den Vorschlag, die 4-Tage-Woche auch in Schulen einzuführen, geantwortet. Viele sind der Meinung, es wäre nur ein Vorwand dem Lehrermangel entgegenzuwirken.

Sachsen-Anhalt entschied sich für einen Kompromiss und probierte das Model 4 + 1 aus. Dabei gehen Schülerinnen und Schüler vier Tage der Woche in die Schule und bleiben einen Tag zu Hause, wo sie zum Beispiel online Aufgaben erledigen. Diese Art von Unterricht setzt einen gewissen Grad an Reife voraus, da zuhause auf Selbstständigkeit vertraut werden muss. Daher ist das Prinzip 4 + 1 eher für Oberstufe geeignet. Der fünfte Tag könnte aber auch dazu da sein, um Hausaufgaben zu erledigen. Diese müssen sowieso selbstständig im Homeoffice bearbeitet werden.

Zusammenfassend ist die Einführung der 4-Tage-Woche sowohl bei Firmen als auch in Schulen auf unterschiedliche Resonanz gestoßen. Während die Vorteile, wie gesteigerte Motivation und Produktivität, weniger Krankheitsausfälle und mehr Freizeit beobachtet wurden, gibt es auch Kritikpunkte. Solche sind eine potenzielle Reduzierung der Arbeitsleistung und Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Das Modell 4 + 1 könnte eine mögliche Alternative darstellen und in Schulen eingesetzt werden, indem Schüler an einem Tag der Woche zu Hause bleiben und selbstständig Aufgaben erledigen oder sich auf Arbeiten vorbereiten.

Zeit für BeReal

von Xenia Schwier, Klasse 9, International School of Düsseldorf, Düsseldorf

Klick Klick. Hannah C. hat gerade ein Foto von ihren zwei Dackeln gemacht. Oben links sieht man ein Bild von ihr, im Hintergrund die zwei Hunde. Sie sitzt in ihrem Zimmer auf einem Sitzsack. „Instagram zeigt meistens nicht die Realität, aber BeReal schon“, beschreibt Hannah C. die BeReal-App. Das Prinzip unvorbereitet ein Bild von sich selbst und seiner Umgebung machen zu müssen sorgt für Authentizität. Ein willkommenes Konzept in Zeiten von massenhafter Bildbearbeitung und Schönheitsidealen.

Die App ging Anfang 2020 online, doch bis sie wirklich populär wurde, dauerte es noch zwei Jahre. Alexis Bayerrat, einer der Gründer, beschreibt die Entwicklung so: „(…) endlich BeReal zu starten, die erste unkontrollierbare Foto-Sharing-App. Nachdem ich müde und genervt von all dem Bullshit in den sozialen Medien war.”

Pro Tag wird jeweils ein Foto von der Front- und Rückkamera des Smartphones gepostet. Die Bilder werden nicht gleichzeitig aufgenommen, sondern sind zeitlich kurz versetzt.

Die App benachrichtigt die Nutzerinnen und Nutzer zufällig im Verlaufe des Tages, alle jedoch zur gleichen Zeit. Dann heißt es schnell Bilder machen, ansonsten steht unter dem Beitrag, dass sie spät gepostet haben.

Ist das passiert, wird sogar die Minuten- beziehungsweise Stunden-Anzahl angezeigt, je nachdem, wie lange man hinterher hing. Schlussendlich lässt sich unter dem Post eine kleine Beschreibung hinzufügen, das ist aber kein Muss.

Hannah C. erwartet mit großer Vorfreude die Nachricht von BeReal. Sie weiß ganz genau, dass es ihr gelingen wird, zum richtigen Zeitpunkt einen Beitrag zu machen. Vor allem kann sie mit ihren Liebsten in Echtzeit teilen, was sie gerade unternimmt. Dann macht es ihr unglaublichen Spaß, einen Beitrag zu posten, sodass ihre Freunde sehen können, was für spannende Dinge sie tut. Wird Hannah C. einmal in einer uninteressanten Situation von der App erwischt, kann sie immerhin noch sehen, was ihre Mitmenschen posten.

“Keine Likes, keine Follower, keine Werbung, keine Filter, nur das, was meine Freunde machen“, sagt Alexis Bayerrat. Freunde können auf dem Post eine sogenannte „Reaktion” zu dem Post hinzufügen und auch kommentieren. Die Reaktion heißt auf der App RealMoji und ist eine App-eigene Abwandlung der allseits bekannten Emojis. Es gibt einen Daumen hoch, ein lächelndes Gesicht, ein geschocktes Gesicht, ein lachendes Gesicht mit herzförmigen Augen und einen Blitz. Bei jedem RealMoji gibt es die Möglichkeit ein Bild zu kreieren und das dann dauerhaft zu benutzen. Aber beim Blitz kann man jedes Mal ein neues, aktuelles Bild machen. Dies heißt „Instant RealMoji”. BeReal greift auf die eigenen Kontakte zu, die sich mit Ihnen anfreunden können. BeReal’s Tipp dabei ist, „Denken Sie daran, BeReal funktioniert am besten mit Ihren echten Freunden!” Fügen Sie also nur Ihre engen Freunde in Ihre Freundschafts-Liste.

BeReal scheint eine gute App zu sein, weil man keine Filter, keine Werbung und keine Follower- oder Like-Anzahl hat. Stattdessen hat man Kontakt mit Freunden, mit denen man Momente teilen kann. Sie entscheiden, welches RealMoji Sie Ihren Freunden geben wollen oder ob sie einen Kommentar schreiben möchten. BeReal soll wie Instagram sein, nur authentischer. Denn Instagram zeigt oft unrealistische Bilder, während BeReal das echte Leben in einem Post zeigt.

Die Wissenschaft zum Elfmeter

von Tayler Kießling, Klasse 9, International School of Düsseldorf, Düsseldorf

Rumms. Ich habe schon wieder den Wecker geschlagen. Es ist Punkt vier Uhr in der Nacht und ich kann immer noch nicht schlafen, denn morgen steht das Meisterschaftsspiel in der C Junioren Liga an und die Aufregung ist groß. Wir brauchen drei Punkte, ansonsten sind wir ewiger Zweiter.

„Der Elfer gehört dir”
Wir haben viel trainiert: Abwehrtaktiken, offensiver Aufbau und natürlich Elfmeter. Beim Elfmeterschießen habe ich die meisten Tore erzielt, deshalb sagt mein Trainer: „Du schießt morgen den Elfer.“ Das macht mir Angst. Im letzten wichtigen Spiel habe ich ihn verschossen. Ich fühle mich fast schon so, wie es Borussia Dortmund einmal erging. Sieben verschossene Strafstöße hintereinander von November 1963 bis Januar 1965. Das ist einmalig in der Bundesliga-Geschichte und ich will so nicht vom Platz gehen. Trotzdem weiß ich nicht, was ich tun soll, denn die Angst wieder danebenzuschießen hält mich noch immer wach.

Verschossene Elfmeter
In der aktuellen Saison wurden von insgesamt 71 Elfmetern 52 verwandelt und 19 verschossen. Das entspricht einer Trefferquote von 73,2 Prozent. Auf der anderen Seite haben  26,8 Prozent danebengeschossen. Ein Viertel ist nicht gerade wenig. Eigentlich gemein: Alle reden über die Angst der Torhüter:innen vor dem Elfmeter. Aber keiner redet über die Angst der Schützen:innen. Die ganze Nacht denke ich darüber nach, wie ich den Elfer schieße.

Wissenschaftler zum Elfmeter
„Die Schützen:innen haben im Duell gegen die Hüter:innen einen Zeitvorteil“, sagt Kibele, Leiter des Fachgebiets Bewegungswissenschaft an der Universität Kassel. „Im Profi- und Halbprofibereich können stramm geschossene Bälle eine Geschwindigkeit um die 30 Meter pro Sekunde erreichen. Um einen Elfmeter abzuwehren, der in eine Ecke platziert wird, muss der Torwart daher abspringen, bevor der Fuß des Schützen den Ball trifft.”

Für mich heißt das: mit voller Wucht schießen – und natürlich die richtige Ecke finden. Das hilft mir nicht wirklich. Ich habe immer noch Angst. Ich habe noch fünfmal auf den Wecker geschaut, bis er klingelte.

Vor dem Spiel
Es ist sieben Uhr morgens und mir geht es nicht besser als in der Nacht. Die Aufregung steigt sogar noch mehr. Meine Hände sind schwitzen, mein Magen verdreht sich selbst und ich krieg mein Rührei nicht runter.

Mein Vater bringt mich zum Spiel. Er spricht über Gerd Müller, den besten Torschützen der Nation. „68 Mal traf Müller in 62 Länderspielen, damit war er unangefochtener Rekordtorschütze des DFB. 365 Tore schoss er in 427 Bundesligapartien, siebenmal wurde er Liga-Torschützenkönig. Sein Saisonrekord von 40 Treffern 1971/72 steht bis heute.” Was mein Vater aber leider auch erzählt: Es gibt einen weiteren, negativen Rekord Müllers: „die in seiner Bundesliga Karriere insgesamt zwölf verschossenen Elfmeter. Kein anderer Bundesligaspieler hat bisher mehr Elfmeter verschossen.” Das alles schüchtert mich nur noch mehr ein.

Meine Angst vor dem Elfer
Nachspielzeit, es ist die 97. Minute. Der Gegner foult einen Mitspieler im Strafraum, der Schiedsrichter zieht die Rote Karte. Es kommt was kommen musste: der Trainer wählt mich zum Elferschützen. Ich spüre meinen Puls im Hals, mein Bauch fühlt sich an, als ob der Ball auf mich geschossen wurde. Der Schiedsrichter zeigt auf den Elfmeterpunkt. Ich lege den Ball zurecht, meine Hände sind zu feucht und der Ball rutscht aus meinen Händen. Ich laufe an und schieße. Und der Torwart hält den Ball. Ich möchte am liebsten im Erdboden versinken. Doch dann pfeift der Schiedsrichter. Er geht zum Torwart und spricht mit ihm. Der Torwart flucht. Ich bin verwirrt: Der Schiedsrichter zeigt wieder auf den Elfmeterpunkt. Mir bleibt keine Zeit zu denken. Ich fühle nichts. Ich mache es einfach. Mit Vollgas anlaufen und den Ball treffen.

Mein Trainer weiß: “Besonders erfolgversprechend sind Schüsse in die rechte oder in die linke Ecke. Aber auch nahe am Pfosten ist der Ball oftmals unhaltbar.”

Mein Schuss landet neben dem rechten Innenpfosten im Tor.

Ich fühle mich hundert Kilo leichter, alle klopfen mir auf die Schulter, der Schiedsrichter pfeift das Spiel ab. Wir siegten mit einem knappen 1:0. Ich hatte Glück im Unglück, es gab einen zweiten Elfer. Denn: Es gibt eine neue Regel des DFB. „Wenn sich der Torhüter zu früh von der Linie bewegt, muss der Strafstoß wiederholt werden.“ Und ich habe die Chance genutzt. Für die Zukunft merke ich mir: einfach machen!

The Line – ein Tag in der Stadt der Zukunft

von Leonora Douglas, Klasse 9, International School of Düsseldorf, Düsseldorf

Es blitzt und stürmt, ich höre nicht auf zu rennen. Ich renne und renne, bis ich am Rand einer hohen Mauer stehe. Ich blicke hinunter, die Mauer ist 500 Meter hoch. Ich habe Angst, bin unsicher. Um mich herum ist Wüste. In der Ferne das Rote Meer. Auf einmal blitzt es, ich trete einen Schritt nach vorn, rutsche aus, falle von der Mauer. Ich höre ein beep-beep, beep-beep…

6:45 Uhr, der Wecker reißt mich aus dem Schlaf. Es war nur ein Albtraum. Oder war es die Realität? Ich stehe auf, verlasse mein Bett, verschwitzt und verwirrt. Eins ist sicher, ich befinde mich in „The Line”.

Was ist The Line?
The Line ist ein Linien-Stadt-Projekt, erfunden von Kronprinz Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien. Sein Ziel: die Umwelt bewahren. Diese Stadt der Zukunft soll sich zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen. Zudem sollen rund 95 Prozent der Umgebung außerhalb der Stadt zu geschütztem Naturland erklärt werden.

So sieht das Leben in der Stadt der Zukunft aus
Ich bin im Bad, das grelle Licht blendet mich. Es kommt nicht von einer elektrischen Glühbirne, sondern von einem Rohrsystem, welches das natürliche Sonnenlicht in mein Badezimmer leitet. Ich fange an meine Zähne zu putzen. Plötzlich leuchten die Ränder meines Spiegels auf und eine menschliche Stimme spricht:  „Guten Morgen, Ophelia. Ich habe bemerkt, dass deine ökologische Bambuszahnbürste, die schon 78 Tage alt ist, eine neue Borste benötigt. Willst du, dass ich einen neuen Aufsatz über Amazon Green Line bestelle?” „Sehr gerne, Kuri“, flüstere ich in einem müden Ton. Ich nenne meinen Spiegel Kuri, weil es menschlicher klingt, obwohl sie ein Spiegel mit Computerchip ist. Sie ist hilfreich und nett, manchmal aber auch anstrengend. Sie weiß alles besser, gibt jeden Tag viele hilfreiche Tipps, die aber auch nerven können – ähnlich wie bei meinen Eltern.

The Line ist immer da. Auch wenn man nicht will
Ich setze mich auf die Toilette und frage Kuri: „Wie wird das Wetter heute?“ Die Antwort: „29 Grad mit Sonnenschein, ein Hochdruckgebiet pustet eine frische Brise über das Rote Meer in die Mauer hinein. In der Stadt Tabuk bleibt es heute leider nicht trocken, mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Ich empfehle einen Sonnenschutz mit Faktor 50, um Hautschäden zu vermeiden. Und ich habe deinen Terminkalender angeschaut und gesehen, dass du die Familie Khan schon 26 Tage nicht mehr gesehen hast. Soll ich Familie Khan anfragen, ob ihr heute zusammen grillen wollt”, fragt Kuri. „Auf jeden Fall, das ist eine super Idee.“ Ich stehe von der Toilette auf und auf einmal piept es. Auf dem kleinen Bildschirm oben auf der Toilette steht eine Anzeige: „Du hast gestern zu viele Zimtschnecken gegessen. Deine Blutzuckerwerte sind schon wieder zu hoch, heute bitte auf deine Zuckeraufnahme achten.“ Das nervt. Muss sie mich immer kontrollieren? Aber andererseits ist es auch hilfreich für meine Gesundheit. Typisch The Line. Immer für mich da. Auch wenn ich nicht will.

The Line, die Schule und ich
Ich suche genervt meine Klamotten für meinen Schultag raus. Ich gehe in die Küche, da klebt ein Zettel meiner Mutter auf dem Kühlschrank: „Bitte heute einkaufen gehen!” Ich habe keine Lust, aber egal, ich hole es einfach nach der Schule, der Supermarkt liegt auf dem Weg.

Ich gehe auf den Balkon, um mir ein paar Öko-Beeren fürs Frühstück zu pflücken. Die Himbeeren sind meine Lieblingsfrüchte, deswegen hole ich extra viele. Kuri meldet sich wieder über die Boxen der Stereoanlage: „Ophelia, schneller, es ist schon 07:45 Uhr.“ Mist, ich bin schon wieder zu spät. Ich stopfe mir schnell die Beeren in den Mund und renne aus der Tür. Den Hochgeschwindigkeitszug, der nur mit Ökostrom fährt, habe ich jetzt auch verpasst. In dem Zug kann man innerhalb von 20 Minuten eine Entfernung von 170 km zurücklegen. Zur Schule brauche ich damit also nur ein paar Sekunden. Heute muss ich aber wohl laufen.

Obwohl ich eigentlich zur Schule rennen müsste, damit ich nicht zu spät komme, laufe ich gerade auf der obersten Etage der Mauer. Da die Linien-Stadt sehr groß ist, gibt es drei Ebenen. Die oberste ist für Fußgänger, diese ist oberirdisch. Die mittlere ist für Infrastruktur und liegt unterirdisch. Die unterste Ebene ist auch unterirdisch und für den Verkehr angelegt.

Ich höre viele Geräusche: Squawk, Squawk, Squawk. Ich gucke nach oben und sehe wunderschöne grüne, blaue und rote Papageien. Sie fliegen über mich und kreieren mit Ihrem Gesang sogar Lieder. Außerdem praktisch: Seitdem es so viele Papageien in The Line gibt, brauchen wir keinen chemischen Moskitoschutz mehr.

Auf einmal raschelt etwas in meiner Jackentasche. Ich hole es verwirrt heraus, aber dann merke ich, dass es regional angebaute Nüsse sind. Ich pfeife, um die Aufmerksamkeit der Papageien zu bekommen. Blitzschnell fliegt einer nach dem anderen auf mich zu. Sie picken die Nüsse genüsslich aus meiner Hand, als ich schon wieder merke, dass ich viel zu spät für die Schule bin. Heute ist echt nicht mein Tag.

Es ist 8:15 Uhr, ich bin außer Atem und renne in den Klassenraum. Wir haben heute in der ersten Stunde Ökologie. Ich liebe das Fach, denn derzeit erfinden wir Geschirr, das man essen kann. Das spart Wasser beim Abspülen. Ich habe heute noch die Fächer ökologische Gärtnereien, Kunst und KI-programmieren. Nach vier niemals endenden Stunden ist die Schule endlich vorbei. Kunst hat heute am meisten Spaß gemacht, weil wir gerade ein Surfbrett aus Bambus kreieren und es mit ökologischen Farben bemalen.

Ein neuer Weg einzukaufen
Zum Glück habe ich gerade noch den Hochgeschwindigkeitszug erreicht. Ich sitze im Zug, schaue durch die Panoramaglas-Fronten und überlege, was ich denn heute alles einkaufen muss. Ich hole mein Handy heraus und frage Kuri, was wir alles im Kühlschrank haben und was wir fürs Grillen brauchen. Bio-Eier, Sojamilch, Mandel-Mehl, vegetarischer Fleischersatz, und noch einige andere Lebensmittel. Innerhalb von drei Minuten sind wir schon an meiner Station, die Türen öffnen sich und als ich aussteige, begrüßt mich eine frische Brise von Lavendel. Ah, wie ich den Frühling liebe, hier in der Nähe befindet sich auch mein Lieblings-Bio-Honigladen.

Ich gehe in den Supermarkt und scanne den QR-Code am Eingang mit meinem Handy. Auf der Supermarkt App drücke ich auf Sojamilch und schon blinkt ein Regal nicht weit von mir. Super, jetzt habe ich schon die Sojamilch, so einfach geht das. Als ich den Rest der Liste gefunden habe, gehe ich zur Kasse. Nach dem Scannen werden meine Einkäufe in einen kleinen Transportroboter verladen, der danach die Einkäufe vor meine Haustür transportiert.

The Line. Eine Chance für die Zukunft
Das Grillen mit Familie Kahn war hervorragend. Das Essen hat super geschmeckt, die Stimmung war gut und die Vögel haben durch ihre verschiedenen Geräusche wunderschöne Lieder für uns gesungen.

Wir bedanken und verabschieden uns. Bei dem guten Wetter sind wir nach Hause gelaufen. Das entspannende Summen der Bienen, das Zwitschern der Vögel, die warme Frühlingsbrise und der erstaunliche Duft der Kirschblüten machen diese Nacht noch unvergesslicher. Ein Regentropfen landet direkt auf meiner Nase. Aus dem Nichts fängt es an, in Strömen zu regnen. Ich fange an zu rennen. Ich renne und renne, bis ich am Rand der hohen Mauer stehe. Ich blicke hinunter, die Mauer ist 500 Meter hoch. Aber diesmal habe ich keine Angst und bin nicht unsicher. Nein. Dieses Mal genieße ich voll und ganz meine Umgebung, mein Leben, mein Zuhause, The Line.