Gesellschaft – Kreuze im Gericht

Bericht über den Artikel: „Debatte um Kreuze im Gericht“ in der „Rheinischen Post“ vom 18. Februar

Anfang Februar 2010 entschieden die Präsidenten des Düsseldorfer Amtsgerichtes und des Düsseldorfer Landgerichtes, die Kreuze aus den Verhandlungsräumen der Gerichtsgebäude zu entfernen. Im Anschluss kam es zu einer Diskussion in der Öffentlichkeit über dieses Vorgehen.

Der NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kommentierte die Gerichtsentscheidung kritisch. Er betonte die Bedeutung christlich-abendländischer Werte für unsere Gesellschaft. Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe lehnte die Entscheidung der Düsseldorfer Gerichte ab. Er hofft auf eine Änderung des Urteils angesichts der massiven Proteste der Kirche. Diese Kritik wurde beispielsweise zum Ausdruck gebracht vom Generalvikar des Erzbistrums Köln. NRW-Justizministerin Müller-Piepenkötter schlug vor, die alte Regelung wieder einzuführen und Kreuze nur im Einzelfall abzuhängen.

Im Gegensatz dazu kam von anderer Seite durchaus Verständnis für das Abhängen der Kreuze. So meinte der stellvertretende Ministerpräsident Andreas Pinkwart, man könne sich auch ohne Symbole vor Gericht auf Gott berufen.

Nach einem Beschluss des Karlsruher Bundesverfassunggerichtes aus dem Jahre 1995 sind die Kreuze aus öffentlichen Gebäuden immer dann zu entfernen, wenn sich Personen an ihnen stören. Offenbar war dies in der Vergangenheit so oft vorgekommen, dass man sich in Düsseldorf der Einfachheit halber dazu entschied, diese ganz zu entfernen.

Das umstrittene Vorgehen der Düsseldorfer Gerichte entfacht erneut die Diskussion über die Notwendigkeit einer Trennung von Kirche und Staat.

Patrick Imcke, Leverkusen, Marienschule

Kino – 2012 – Größenwahn auf der Kinoleinwand

„2012“ ist ein etwas übertriebener US-amerikanischer Katastrophenfilm des Regisseurs Roland Emmerich aus dem Jahr 2009. Die Weltpremiere fand am 11. November, die Deutschlandpremiere am 12. November 2009 statt. Grandios spielt John Cusack die Rolle eines kleinen, erfolglosen Buchautors namens Jackson Curtis. Der Film basiert auf der Idee, dass nach dem Mayakalender die Welt im Jahr 2012 untergehen wird.

Jackson Curtis kommt im Laufe des Films dahinter und versucht seine Kinder und seine Ex mit deren neuem Freund zu retten, indem er sie zu den von der

Regierung gebauten Spaceshuttles („Archen“) bringt.

Der Film ist zwar sehr spannend und grafisch nahezu perfekt gemacht, aber er hat eine zu starke Ähnlichkeit mit Emmerichs vorherigen Filmen. Der Aufbau ist sehr ähnlich. Außerdem ist er zu sehr wie ein Superman-Epos. Doch trotzdem: Es lohnt sich, diesen Film anzusehen. Szenen, in denen ganze Städte ins Meer stürzen, in denen der Yellowstone-Nationalpark hinter einem Flugzeug explodiert, oder in denen sich ein Canyon in der Mitte einer Stadt aufbricht, sind so atemberaubend dargestellt, dass man echt Angst vor dem Jahr 2012 bekommen kann.

Dies wissen viele Leute zu schätzen: Der Film dominierte das Startwochenende mit Position 1 in den US-amerikanischen Kinos und spielte weltweit in nur vier Tagen das Produktionsbudget von 200 Millionen US-Dollar ein; nach nur zehn Tagen überschritten die Filmeinnahmen bereits die 450-Millionen-Dollar-Marke.

Alles in allem ist dieser Film für Leute zu empfehlen, die Action geladene Katastrophenfilme mögen. Aber nur wegen der Story muss man den Film nicht sehen.

Andras Breuer, Leverkusen, Marienschule

Winter – Mal schön, mal problematisch

Dieser Winter war womöglich der schönste Winter aller Zeiten. Denn für viele hieß es Schneeballschlachten, Schneemänner bauen und Schlitten fahren. Vor allem die Ski- und Snowboardfahrer konnten ihren Genuss voll und ganz ausleben. Jeder Skihang in Deutschland, Österreich und der Schweiz war und ist noch zugeschneit.

Aber es gab auch ein paar Probleme: Etwa, dass Deutschland kein Streusalz mehr hatte. Viele Leute können den Winter nicht mehr sehen. Insgesamt aber war der Winter sehr schön und man sollte den Rest noch genießen, weil es möglicherweise der letzte Winter war.

Fabio Miesen, Leverkusen, Marienschule

Schuluniform – Ein starkes Team im selben Look

In Deutschland wird immer wieder viel über Schuluniformen diskutiert. Es gibt hierzulande jedoch nur wenige staatliche Schulen, die eine solche vorschreiben. Manchmal dürfen sogar Schüler, Eltern und Lehrer bei der Auswahl der Kollektion mitbestimmen. Rein juristisch gesehen darf die Schule ihren Schülern nicht vorschreiben, wie sie sich zu kleiden haben, Eltern jedoch schon. Von daher kann eine Einführung von Schuluniformen nur in Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten der Kinder erfolgen. Ein allgemein vorgegebenes Aussehen gibt es dabei nicht.

Ein Nachteil der Schuluniformpflicht ist, dass sie einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Kinder und ihrer Eltern darstellt. Da Erwachsene oft einen anderen Geschmack als Kinder oder Jugendliche haben, wird von Schülern bei der einheitlichen Kleidung ein langweiliger Stil befürchtet, doch wenn sich alle zusammensetzen, und sich zusammen für ein Modell entscheiden, dürfte dies kein Problem sein.

Der Konkurrenzkampf der Schüler untereinander ist damit natürlich nicht beendet, wird allerdings nicht mehr über teure Markenkleidung ausgedrückt. Der Hauptgrund für eine Schuluniform ist die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls der Schüler untereinander; sie werden sich durch die einheitliche Kleidung stärker mit ihrer Schule identifizieren. Das kann natürlich auch Konkurrenz und Konflikte mit anderen Schulen oder Schultypen hervorrufen.

Glücklicherweise kann man die finanzielle Lage der Schüler nicht an ihrer Kleidung erkennen, obwohl – je nach ausgewähltem Modell – es teuer werden könnte, es sich jedoch auf dauer lohnen würde. Positiv ist sicher auch, dass die finanzielle Situation der einzelnen Schüler nicht gleich ablesbar ist. Das wichtigste Pro-Argument ist, dass Schüler mit einheitlicher Kleidung besser lernen, rücksichtsvoller sind, und sich besser konzentrieren können. Dies bestätigt zum Beispiel eine Studie der Universität Gießen.

Wenn man nun die einzelnen Argumente gegeneinander abwägt, stellt man fest, dass die positiven Aspekte der Schuluniformen bei weitem überwiegen. Ein mutiges Vorgehen der einzelnen Schulen wäre wirklich zu begrüßen! Nebenbei bemerkt wäre es eine Hausaufgabe für unsere Politiker, die Schulen, die sich dafür entscheiden, auch zu unterstützen und die Vorhaben nicht unnötig durch Bürokratie und Gesetze zu erschweren.

Johanna Enewoldsen, Leverkusen, Marienschule

Tourismus – London aus der Vogelperspektive

Das größte Riesenrad der Welt ragt vor uns in den Himmel. Am vorletzten Tag unserer fünftägigen Englandreise treffen wir uns um 16.15 Uhr am „London Eye“. Wir staunen nicht schlecht, als wir das Rad sehen.

„Das ist ja riesig!“, ruft einer. Aufgeregt wollen wir uns in die Warteschlange einreihen, aber da stellen wir fest, dass noch nicht alle da sind. Da klingelt auch schon ein Handy; einige haben sich verlaufen und kommen daher später. Unser begleitender Lehrer sagt, wir sollten uns schon mal an die Schlange stellen.

„Das dauert ja ewig“, murrt jemand. „Da kommen wir heute doch nicht mehr rein.“ Zehn Minuten später kommen dann auch die Nachzügler an. Anschließend stehen wir noch zwanzig weitere Minuten in der Schlange, bis wir endlich dran sind.

In langsamem Tempo dreht sich das Rad. Nach ungefähr 15 Minuten sind wir am höchsten Punkt des Rades angekommen. Von dort aus haben wir einen super Ausblick auf das mit Lampen beleuchtete London. Es wird ein Foto nach dem anderen geschossen. Eine viertel Stunde später sind wir wieder unten und müssen leider aussteigen. „Das hat sich aber gelohnt“, sagen einige. Ja, das hat es tatsächlich!

Marvin Foppe, Leverkusen, Marienschule

Unterricht – Physik und Chemie am Nachmittag

Lautes Geschirrklappern, lärmende Kinderstimmen, Gedrängel in der Warteschlange, der Duft von Essen. Das alles hört und riecht man in der Mensa der Marienschule Opladen. Was ist da los?

Es ist wieder Langtag. Nachdem die ersten sechs bis sieben Stunden vorbei sind, stellen sich die Schüler in der Warteschlange an, um ihre Portion Essen zu bekommen. Dann setzen sie sich in kleinen Grüppchen verteilt an die Tische und verzehren genüsslich ihr Mittagessen. Wenn sie fertig sind, können die Schüler während der verbliebenen Zeit ihrer freien Schulstunde die verschiedenen Angebote wahrnehmen. Sie können in die Hausaufgabenbetreuung gehen, in der Aula Tischtennis spielen, sich in der Sporthalle austoben oder sich einfach nur in einem Klassenraum mit ihren Mitschülern unterhalten. Die Angebote seien sehr vielfältig und verschieden, so sei für jeden etwas dabei, erklärte eine Schülerin der 7. Klasse.

Nach der Mittagspause geht der Unterricht für die Schüler dann weiter. Die Fächer sind ganz unterschiedlich. Die Klassen haben nachmittags noch Fächer wie Biologie, Chemie und Physik oder sogar Hauptfächer. Aber kann man sich in den Schulstunden am Nachmittag überhaupt noch konzentrieren? Für Hauptfächer oder andere Fächer, bei denen man sich sehr konzentrieren muss, reiche die Konzentration meist nicht mehr aus, obwohl man nach der Mittagspause wieder entspannter und ausgeruhter sei, so eine Schülerin der 8. Klasse. Fächer wie Sport und Kunst seien am Nachmittag sinnvoller, auch wenn man dafür mehr zur Schule mitschleppen müsse.

Die Schüler der Klassen 7und 8 der Marienschule haben über die Woche verteilt von Dienstag bis Donnerstag ihren Langtag, denn so ist das Gedrängel und der Lärm in der Mensa am Mittag nicht so groß. Der Langtag ist dennoch nützlich für die Schüler, weil sie sonst jeden Tag eine Stunde länger Unterricht als sonst hätten oder eventuell sogar samstags. Durch den Langtag müssen sie nur einen Tag der Woche bis zum späten Nachmittag in der Schule verbringen.

Tabea Wedemeyer, Leverkusen, Marienschule

Interview – Jeden Tag auf alles gefasst

Am 9. Februar besuchte ich die Polizeistelle in Mettmann. Der Beamte in blauer Uniform, den ich ein paar Tage zuvor telefonisch kontaktiert hatte, um einen Termin zu vereinbaren, kam mir freundlich entgegen und gab mir die Hand. Sein Händedruck sprach schon für sich – da steckte Kraft dahinter, was ich trotz seiner Jacke auch an seinen Oberarmen erkennen konnte. Michael Gobel ist Polizeibeamter und beantwortete meine Fragen mit viel Interesse.

Welche schulische Vorbildung haben Sie?

Gobel: Ich besuchte das Gymnasium in Hochdahl und bewarb mich bereits in der 12. Klasse bei der Polizeifachhochschule in Lübeck. Dort fing ich, nachdem ich das Abitur absolviert hatte, auch an. In den folgenden drei Jahren machte ich also meine Ausbildung als Polizist, was mit vielen praktischen Erfahrungen und Arbeiten verbunden war.

Mussten Sie eine Eignungsprüfung machen, um auf die Fachhochschule zu kommen?

Gobel: Ja, nachdem ich meine Unterlagen nach Lübeck geschickt hatte, bekam ich eine Einladung zur Aufnahmeprüfung.

Was hat man sich unter dieser Prüfung vorzustellen? Wie lief das für Sie ab?

Gobel: Die Eignungsprüfung umfasst mehrere Teilprüfungen, bestehend aus Sport, Allgemeinwissen und Deutschkenntnissen. Außerdem wurde ich am IAP (Institut für angewandte Phsychologie) auf Herz und Nieren geprüft. Da meine Tests alle positiv ausfielen, wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, bei dem ich nochmals die Chance bekam mich richtig gut zu präsentieren.

Wie sind Ihre Arbeitsschichten aufgeteilt?

Gobel: Unsere Arbeitszeiten umfassen Frühdienste, ’normale Tagesdienste‘ und Spät- und Nachtdienste. Diese werden von Monat zu Monat unterschiedlich eingeteilt.

Gibt es einen normalen Arbeitstag und wenn ja, wie sieht dieser aus?

Gobel (lacht): Den normalen Arbeitstag sucht man im Polizeiwesen vergebens. Ich kann sagen, dass man jeden Tag auf alles gefasst sein sollte, denn es gibt jeden Tag neue Probleme zu bewältigen. Deshalb liebe ich meine Beruf, weil man immer neue erfahrungen macht.

Was ist für Sie das schwierige an ihrer Arbeit?

Gobel: Als Hüter des Gesetzes muss man oft unpopuläre Entscheidungen durchsetzen, was oft nicht immer leicht für mich ist.

Was würden Sie sagen sind wiederum die Sonnenseiten in ihrem Beruf als Polizist?

Gobel: Wenn ich dem Geschädigten (Opfer) bei einem für ihn scheinbar unlösbaren Problem helfen kann. Dann zeigen sie herzliche Dankbarkeit, was auch mich als ‚harten Polizisten‘ (lacht) manchmal noch sehr rührt.

Wenn sich ein Schüler für den Beruf Polizist interessiert, was würden Sie diesem empfehlen?

Gobel: Er/Sie sollte sich bei einem großen Korps, wie der Stadtpolizei oder Kantonspolizei in Zürich bewerben, was ich leider verpasst hatte. Ein Kollege von mir berichtete, dass die Ausbildung dort sehr facettenreich und interessant ist. Es wäre ein guter und wichtiger Grundstein für die Bewältigung der umfangreichen Aufgaben im Polizeialltag.

Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben!

Julia Schmitz, Hilden, Priv.dietr.-Bonhoeffer-Gym.

Film – So gleich und doch anders

Ich steige aus dem Auto aus und sehe mich um. Vor mir: Das UCI-Kino in Düsseldorf, wie es schon bei jedem meiner Besuche ausgesehen hatte. Groß, verglast, mit den neusten Filmplakaten an der Fassade. Aber heute besuche ich mit meiner Freundin Julia keine angesagte Komödie, nicht den neusten Film mit George Clooney, sondern einen Film der sich ein ernstes Thema auf die Fahne geschrieben hat: Aids.

Verpackt in eine Liebesgeschichte, die von der wahren Geschichte Benjamin Prüfers und seiner HIV-positiven Frau Sreykeo inspiriert ist, zeigt angeblich sehr anschaulich und naiv die problematische Verbindung zweier sehr junger Menschen im Kampf um ein gesichertes Leben mit der Krankheit. Und das in einem Land wie Kambodscha, das asiatische Land mit den meisten HIV-Infektionen. Laut Unicef momentan circa 12.000.

Wir setzten uns in das kleinste der vorhandenen Kinos und lassen den Blick grinsend über die deutlich älteren Besucher schweifen. Mit unseren 15 Jahren sind wir hier wohl eindeutig die jüngsten. Mit Abstand.

Der Film beginnt, und der Blick wird frei auf eine karge, asiatisch anmutende Landschaft. Kambodscha. Kinder arbeiten auf staubigen Bauschuttbergen. Städte, die – wie in Asien üblich – extrem überfüllt aussehen, auf der anderen Seite: Land. Ein Elefant spaziert an einem „Achtung Mienen“-Schild vorbei.

Hier soll jemand freiwillig, kurz nach seinem Abitur, um eine junge Barfrau und deren Liebe gekämpft haben?

Natürlich ist nicht alles so romantisch, und der Film lässt einen manchmal ein wenig im Stich, trotzdem bleibt er uns im Gedächtnis.

Ist es nicht falsch, dass Leute in unserem Alter eine Rarität in solchen Kinovorstellungen sind? Allein in Kambodscha haben rund 100.000 Kinder durch Aids ihre Eltern verloren. Eine Zahl, die beeindruckend ist. Und doch ist das Thema „HIV in Schwellenländern“ schon mehr als aufgebraucht.

Ein Film wie der von Detlev Buck ist eigentlich ein idealer Weg, auch uns mal wieder „ein bisschen drüber nachdenken“ zu lassen. Die Presse lobt diesen Film nicht gerade in den Himmel. Zugegeben, so richtig überzeugt hat er uns auch eher durch die sehr beeindruckenden Bilder Kambodschas, die Kultur und Eindrücke.

Allerdings gehe ich trotz des Happy Ends mit rauchendem Kopf aus Kinosaal 9. Hätte ich in Bens Situation und in seinem Alter den Willen gehabt, diesen Kraftakt zu vollbringen? Einem Menschen durch halb Asien gute Medikamente zu besorgen? In Deutschland nur mit einem Praktikum auf der anderen Seite?

Ich weiß es nicht.

Aber sicher ist, dass HIV immer noch überall ist. Vielleicht wird es verdrängt. Oder nicht wirklich ernst genommen, wenn man im Bio-Unterricht mal wieder eine Broschüre in die Hand gedrückt bekommt. Aber ernst ist es. Mit der Erkenntnis gehen Julia und ich trotz allem nach Hause.

Lisa Borrenkott, Hilden, Priv.dietr.-Bonhoeffer-Gym.

Liebe – Gefühle ohne Grenzen

Die erste Liebe. Das klingt so romantisch. Man stellt sich vor, an diesem einen bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, trifft man die eine Person und „bumm“, es ist passiert. Man ist verliebt. Wann weiß man, dass genau die Person, die Richtige für mich ist ? Ich sehe mich um. Ich fange in meiner Familie an.

Interessant. Waren die auch einmal verliebt? Im Alltag sieht man es ihnen nämlich nicht an. Bei den Großeltern väterlicherseits verlief alles nach alter Tradition. Mein Opa bat die Eltern meiner Oma um ihre Hand, weil ihm das Mädchen gefiel. Die Oma war im „siebten Himmel“. Sie verlobten sich.

Die Eltern meiner Mutter lernten sich in der Arbeit kennen. Oma achtete nicht auf den elf Jahre älteren Mann, denn schließlich stellte sie oft ihrer Mutter die Frage, wie sie so einen alten, zehn Jahre älteren Mann, ihren Vater, heiraten konnte. Ihren Geschmack für ältere Männer teilte deren Tochter, meine Tante, nicht. Mit ihren 18 Jahren bereitete sie sich tüchtig für die Ehe vor. Laufend kaufte sie die Haushaltsausstattung. Sie wollte früh heiraten und Kinder bekommen. Doch die Liebe erwischte sie erst mit ihren 35 Jahren. Sie heiratete mit 38 einen 6 Jahre jüngeren Mann, mit dem sie aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder haben kann.

Mit dem Altersunterschied in unserer Familie geht es bei uns wie auf einer Achterbahn. Der Cousin meines Vaters heiratete eine 16 Jahre jüngere Frau. Er, der Nachbar, passte auf sie auf, als sie noch ein Kind war und die Eltern ausgingen. Er musste umziehen, als sie noch ein kleines Mädchen war. Nach ein paar Jahren sahen sich die beiden wieder. Sie war jetzt eine hübsche junge Frau, und dann traf Amor die beiden mit seinem Pfeil.

Aber für die erste Liebe ist es nie zu spät. Die Cousine meiner Mutter heiratete mit ihren 53 Jahren einen 60-Jährigen. Sie heiratete so, wie sie sich es immer vorgestellt hatte. Sie in einem langen, weißen Kleid und er in einem schwarzen Anzug. Sie gaben sich das „Ja“-Wort in der Kirche. Die Hochzeit fand in einem wunderschönen Schloss statt. Leider wohnen sie noch nicht auf Dauer zusammen, denn sie wohnt in Deutschland und er in England, wo er bis zur Rente arbeiten muss.

Die Liebe auf Entfernung muss auch mein Cousin durchstehen. Seine Liebste lernte er in Amerika kennen. Er ist ein Sportler und ist deshalb die meiste Zeit in Europa. Sie sehen sich für ein paar Tage, in ein paar Monaten. Die Liebe hält so schon seit sechs Jahren. Im nächsten Jahr ist sogar die Hochzeit geplant. Mein anderer Cousin war immer der Playboy der Familie. In seinen jungen Jahren hat er zwar viele kennen gelernt, doch keine war die Richtige. Jetzt ist er immer noch alleine.

Jeden, den ich hier beschrieben habe, malte sich die Liebe in seinen jungen Jahren anders aus. Es gibt keine Grenzen und keinen Rahmen bei der Suche nach der bestimmten Person. Bei den Gefühlen spielt das Alter oder das Aussehen keine wichtige Rolle. Die Freiheit der Partnersuche ist einfach schön.

Miriam Baron, Leverkusen, Marienschule

Praktikum – Christ sein – live!

Für vier Wochen tausche ich Bibel und Katechismus, also Langeweile pur, gegen Kinderkreischen und Lernstress. Freiwillig habe ich mir im Rahmen des Konfirmandenpraktikums die Lern- und Spielstube für Kinder mit Migrationshintergrund der Grundschule Bollenberg ausgesucht.

Jeden Dienstag mache ich mich direkt nach der Schule auf den Weg, um den Kindern nachmittags bei ihren Hausaufgaben zu helfen, mit ihnen für Klassen-arbeiten zu lernen, sie zu motivieren und anzuleiten. Lautstark und voller Freude werde ich von einer ganzen Rasselbande Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren empfangen, manchmal sind auch noch Geschwisterkinder da.

Aber es ist nicht nur purer Spaß. Ich muss auch lernen, mich durchzusetzen, Grenzen aufzuzeigen und Situationen richtig einzuschätzen. Viele Kinder sind mir gegenüber aufgeschlossen, manche recht anhänglich, was auch schon mal nerven kann. Andere versuchen, den kleinen Macho raushängen zu lassen. Aber alle sind sie liebenswert und dankbar, was sie auf ihre Weise auch immer wieder zeigen.

Mir wird klar, was es heißt zu helfen, miteinander zu leben, zu verstehen, zu akzeptieren und zu tolerieren. Ich bewundere alle ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich dieser Aufgabe tagtäglich stellen. Christ sein – live! Das lernt man nicht im Konfirmandenunterricht. Danke für die Erfahrung, die ich aus diesem Praktikum mitnehmen durfte.

Julia Giese, Haan, Städt. Gymnasium Haan