Otzenrath, die alte Heimat – Wir werden nie ganz ankommen!

Otzenrath ist ein Ortsteil von Jüchen im Kreis Neuss und gehört zum Braunkohletagebau Garzweiler II, der ein Tagebau der RWE Power AG im Rheinischen Braunkohlerevier in NRW ist und nach dem Dorf Garzweiler benannt wurde. Garzweiler II besitzt Braunkohlereserven von 1,3 Milliarden Tonnen. Der Braunkohleabbau Garzweiler II erfordert die Umsiedlung von zwölf Dörfern und 7600 Bürgern. 2006 wurde angefangen, die Kohle zu fördern. Geplantes Ende ist 2045.

Das Ehepaar A., das bis zu seinem 77. Lebensjahr in Otzenrath lebte, beschreibt seine Gefühle: „Wir sind nie ganz in unserer neuen Heimat angekommen!“ Die beiden wussten schon viele Jahre vorher, dass ihr Dorf und die Umgebung abgebaggert werden, denn unter den Häusern befindet sich Braunkohle. Die Einwohner Otzenraths haben oft versucht, auf rechtlichem Wege die Abbaggerung zu verhindern. Und selbst jetzt laufen noch einige Verfahren. Doch sie haben kein Recht bekommen.

So wurden die Häuser des Dorfes von der RWE Power AG aufgekauft; so auch das Haus der Familie A.. Auf diesem Wege haben sie für ihr Haus mehr bekommen, als es auf dem freien Immobilienmarkt wert gewesen wäre. Doch dafür, dass sie das Haus nicht aufgeben wollten, und dafür, dass sie ihre Heimat verlassen mussten, war die Kaufsumme ihrer Meinung nach viel zu gering.

Nach dem Verkauf ihres Hauses hatten sie die Möglichkeit, mit ihrer Dorfgemeinschaft nach Neu-Otzenrath zu ziehen und dort ein neues Haus zu bauen. Doch wegen ihres hohen Alters und ihres Gesundheitszustandes ist das Ehepaar zu seinem einzigen Sohn und seiner Familie in die hundert Kilometer entfernte Stadt R. gezogen.

Wir haben die beiden Senioren gefragt, wie es ihnen jetzt, sieben Jahre nach dem Umzug, in R. geht. Sie erzählen, dass man sich erst mal an die neue Um-gebung habe gewöhnen müssen. Die Familie und ihre Nachbarn hätten ihnen dabei sehr geholfen. Manchmal würden auch ihre Freunde und die restliche Familie aus Alt- bzw. jetzt Neu-Otzenrath sie besuchen. Dann würden sie sich gemeinsam mit der alten Heimat befassen und mit den schönen Dingen, die sie dort erlebt habe.

Doch sie würden die neue Stadt nicht als ihr Zuhause bezeichnen. Ihr Zuhause sei immer noch Otzenrath, wo sie ihr ganzes Leben verbracht haben. Sie würden auch noch oft an ihre alte Heimat denken. Dann sind sie manchmal sehr traurig und bekommen Heimweh. Doch dann sagten sie sich, dass sie es ja doch nicht ändern könnten. Der Abriss ihres alten Hauses sei jetzt auch schon drei Jahre her und rund um Otzenrath sei nur noch ein tiefes Loch mit Baggern, welche bald auch ihr Dorf zu einem Loch machen würden.

Wenn sie sehr traurig sind, denken sie an ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und vor allem an ihr Enkelkind. Diese Gedanken muntern sie dann wieder auf. Aber sie werden nie ganz in ihrer neuen Heimat ankommen.

Carina Abels, Rees, Gymnasium Aspel

Süchtig nach Computerspielen – Gefahren aus der virtuellen Welt

Das Spiel „World of Warcraft“ von der Firma Blizzard ist derzeit eines der erfolgreichsten Online-Rollenspiele der Welt. Doch das Spiel ist mit Vorsicht zu genießen, denn die Suchtgefahr bei diesem Spiel ist groß.

„World of Warcraft“ kam Mitte des Jahres 2004 auf den Markt. Seitdem stieg die Anzahl der Spieler auf über zehn Millionen. Doch die Zahl der Spielsüchtigen stieg ebenso. Schätzungsweise eine Million Spieler sind süchtig nach diesem Spiel.

„World of Warcraft“ ist ein typisches Online-Rollenspiel. Man hat die Auswahl zwischen zehn verschiedenen Spieltypen wie beispielsweise Mensch oder Gnom und kann dann eine jeweilige Klasse auswählen, die man spielen möchte. Man begleitet diesen Charakter nun auf den Weg durch verschiedenste, schön gestaltete Landschaften, Höhlen und Hauptstädte.

Durch das Abschließen von Aufgaben (den so genannten Quests) erhält man Erfahrungspunkte, und wenn der Charakter genügend Erfahrungspunkte gesammelt hat, steigt er ein Level auf. Doch ist man erst einmal Level 80, geht das Spiel erst richtig los. Man zieht mit den von anderen Menschen gesteuerten Charakteren in einer Gruppe los, um somit schwierige Gegner töten und so seine Ausrüsstung verbessern zu können.

Über zehn Millionen Spieler weltweit sind begeistert von diesem Spielprinzip, und immer mehr Spieler werden süchtig, weil sie einfach nicht aufhören können, dieses Spiel zu spielen. Eine Umfrage unter 18 Spielern im Alter von 15 bis 42 Jahren im Kreis Wesel hat ergeben, dass jeder von den 18 Spielern am Tag durchschnittlich drei bis vier Stunden „World of Warcraft“ spielt.

Jürgen T. (42) erzählt: „Morgens, wenn ich aufgestanden bin, geht mein erster Weg zum Rechner. Ich fange am Morgen an zu spielen und höre meistens erst spät in der Nacht auf, um zu schlafen. Ich merke selbst, dass ich meine Freunde stark vernachlässige für dieses Spiel.“ Doch T. ist nicht der einzige Spielsüchtige.

Doch was kann man dagegen tun? Man sollte die von Blizzard zur Verfügung gestellte Einrichtung nutzen, mit der man seine Spielzeit einschränken kann. So kann man beispielsweise seinen Account (Zugang zu „World of Warcraft“) so einstellen, dass man nur von 13 bis 15 Uhr spielen kann. Zusätzlich sollte man eine Therapie für Spielsüchtige machen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

René Bärzel, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium

Betreuung für die Kleinsten – Kindergarten bis halb fünf

Da immer mehr Eltern arbeiten gehen, bieten schon viele Kindergärten eine längere Betreuung an. So auch der Kindergarten Heilig Kreuz in Mehrhoog.

Dieser existiert schon seit ungefähr 40 Jahren.

Maria Bauhaus-Erlebach ist schon seit 22 Jahren Leiterin dieses Kindergartens und sieht im Ganztagskonzept für den Kindergarten viele Vorteile. Die meisten Kinder wachsen heutzutage in so genannten Ein-Kind-Familien auf und finden im Kindergarten Spielkameraden in ihrem Alter, so die Leiterin.

Durch die Finanzkrise müssen in vielen Familien nun beide Elternpaare länger arbeiten gehen und sind daher sehr dankbar, dass ihr Kind von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Kindergarten betreut werden kann. 33 Prozent aller Kinder nutzen bereits das Ganztagsangebot. Bevor die Kinder in den Kindergarten kommen, können die Eltern bereits entscheiden, wie lange ihr Kind dort bleibt. Entweder 25, 35 oder 45 Stunden pro Woche, jedoch entscheiden sich 63,5 Prozent für die 35 Stunden-Woche. Bei dieser bekommen die Kinder auch mittags etwas Warmes zu essen.

Jedoch bleibt die Sorge der Eltern, dass die Kinder sich eine neue Bezugsperson suchen. Dieses sei aber nicht der Fall, sagt Maria Bauhaus-Erlebach. Die Eltern und Kinder würden die Zeit, die sie zusammen haben, noch viel intensiver nutzen als sie es vorher getan hätten.

Jennifer Lause, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium

Kunstausstellung im Hause DAVIDU – Eier, die die Welt erklären

Am 16. und 17. Mai hat der Künstler Duve van Boggelen seine neue Serie

„US, Eggs of Evolution“ im Kunsthaus DAVIDU ausgestellt. Die Ausstellung beschäftigte sich mit dem Thema: „Hat das Dasein einen Sinn? Sind wir auf dem Weg zu einem Ziel? Was haben 200 Jahre Wissenschaft von Darwin gebracht?“

Die verschiedenen Werke waren in Eierform dargestellt und in einer passenden Umgebung platziert. Einige wurden von Musik begleitet. Zu jedem Ei hatte Duve ein Gedicht geschrieben.

Zu dem ersten Werk, das ein Boot darstellte, schrieb der Künstler: „Die Person in uns, die weiß, wohin wir gehen, das Ziel, die Richtung, der Kurs. Sie bewahrt uns vor dem Treiben und Kentern-und-Glauben wir an sie?“

Duve beteiligte die Besucher aktiv an der Ausstellung, indem sie sich Titel zu den einzelnen Kunstwerken ausdenken konnten. Der Künstler benutzte Puppen (Barbie), die eine Stütze zum Stehen brauchten. Damit wollte er zeigen, dass Menschen auch eine Stütze brauchen.

Duve van Boggelen ist seit 1997 Künstler und hat Kunstpädagogik studiert.

Seine ersten Werke stellte er in den Niederlanden aus. Seit 2002 auch in Deutschland und der Schweiz.

Informationen unter www.duvevanboggelen.com

Sandra Lemken, Rees, Gymnasium Aspel

Die Gründe und Folgen von Vandalismus – Die pure Langeweile?

Wenn man sagt, die anderen hätten „wie die Vandalen gehaust“, so weiß jeder, was damit gemeint ist. Vandalismus oder auch Zerstörungswut, die in vielen verschiedenen Formen auftreten kann, richtet sich normalerweise immer gegen öffentliche Einrichtungen und fremdes Eigentum. Vandalismus tritt sowohl in kleinen Dörfern als auch in Großstädten auf.

Unter dem Einfluss der Gruppe werden Kinder und Jugendliche oft zu einem unkontrollierten kollektiven Verhalten gedrängt – etwa gefährliche Mutproben. Das Ganze wird oft noch durch Alkoholeinfluss verstärkt.

„In den meisten Fällen ist Vandalismus reiner Zeitvertreib,. Aus Langeweile, da es kaum oder gar keine Einrichtungen, Angebote oder Aktivitäten speziell für Jugendliche und Kinder gibt. Oft werden Jugendliche auch deshalb zu Vandalen, weil sie sich abreagieren wollen“, sagt Kriminaloberkommissar Markus Köper.

Zum Vandalismus gehören nicht nur Sachbeschädigungen, sondern auch Brandstiftung, Umwelt-Straftaten und schwerer Hausfriedens- und Landfriedensbruch.

Im Jahr 2008 sind die Schäden durch Vandalismus im Kreis Wesel erneut enorm angestiegen. Hierbei sind insbesondere die Deutsche Telekom, die Deutsche Bahn und Verkehrsbetriebe allgemein betroffen. In den meisten Fällen durch Scheiben zerkratzen bzw. einschlagen und beschmieren, Sitze aufschlitzen und bekritzeln.

Man kann sich gegen die finanziellen Folgen von den Schäden versichern lassen. Inzwischen auch nach einem Einbruch. Die Hausratversicherung, die Vollkaskoversicherung/Teilkaskoversicherung und die Geschäftsinhaltsversicherung zahlen Schäden durch Vandalismus. Bei einer Wohngebäudeversicherung bräuchte man noch eine Zusatzversicherung, beispielsweise eine „Graffitiversicherung“. Traurig, dass so viele unter der Langeweile einiger Jugendlicher leiden müssen.

Laura Spaltmann, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium

Fliegen als Hobby – Atemberaubend hoch über Wesel

Henrico Driessens Hobby ist das Fliegen. Er lebt es am Weseler Flugplatz aus. Wir haben mit ihm über sein Hobby gesprochen.

RP: Wie sind Sie auf das Fliegen gekommen?

Driessen: In meiner Schulzeit habe ich einen Zettel über den Flugplatz in Wesel am „Schwarzen Brett“ gesehen.

RP: Was fasziniert Sie am Fliegen?

Driessen: Mich fasziniert einfach alles, vor allem die Freiheit in der Luft.

RP: Wie lange fliegen Sie schon?

Driessen: Ich fliege seit über 22 Jahren hier in Wesel.

RP: Wie viele Mitglieder hat der Flugverein?

Driessen: Der Verein hat ungefähr 100 Mitglieder, von denen nur 40 aktiv sind.

RP: Wie oft fliegen Sie in der Woche?

Driessen: Höchstens einmal in der Woche.

RP: Haben Sie ein eigenes Flugzeug?

Driessen: Ja, es heißt „Lucy in the Sky“.

RP: Ab wieviel Jahren darf man fliegen?

Driessen: Wir bilden Piloten ab 14 Jahren aus.

RP: Bieten Sie Schnupperkurse an?

Driessen: Ja, so etwas kostet 20 Euro pro Tag.

RP: Was war Ihre höchste Höhe, die Sie je geflogen sind?

Driessen: Über 6000 Meter in Frankreich.

RP: Fliegen Sie immer alleine?

Driessen: Nicht immer.

RP: Ist schonmal jemand in Wesel abgestürzt?

Driessen: Ja, verunfallt

Jannik Kampen und Johannes Bruns, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium

Nachwuchsfußballer aus Wesel – Wunschtraum Stürmer

Auf der Sportanlage von SUS-Wesel-Nord tummeln sich einige Fußballspieler. Wir haben mit dem zentralen Mittelfeldspieler gesprochen.

Frage: „Wie lange spielst Du schon Fußball?“

Antwort: “ Fast zehn Jahre. Ich bin einer der ersten Spieler, die dem Verein beigetreten sind.“

Frage: „Gefällt Dir Deine Position?“

Antwort: „Stürmer wäre besser, aber man kann nun mal nicht alles haben.“

Frage: „Wie viele Tore hast Du schon geschossen?“

Antwort: „Bereits vier, davon sind zwei Eigentore gewesen.“

Frage: „Wechselst Du zum Saisonende den Verein?“

Antwort: „Ich gehe zum SUS Xanten.“

Frage: „Warum das?“

Antwort: „Ich wohne näher an dem Sportplatz.“

Frage: „Ist Fußball nur ein Hobby für Dich oder soll der Sport später mal Dein Beruf werden?“

Antwort: „Fußball ist nur ein Hobby für mich, aber falls sich die Chance ergibt ein Star zu werden, würde ich diese natürlich ergreifen.“

Danny Mällenbeck, Rees, Gymnasium Aspel

Hilfe für die Ärmsten – Fairplay schon vor dem Anpfiff

Zahida steht morgens um halb sechs auf, zieht sich um und macht das Frühstück für ihre sechs Töchter und ihren Sohn. Dann bringt sie ihre Kinder zur Schule und fährt zurück, um den eigenen Laden zu öffnen. Sie hat alles, was man für ein tägliches Leben in Pakistan braucht: Tee, Henna, Eier, Waschmittel, Mehl und bunte Bangles, wie dort die Armreifen genannt werden. Zu verdanken hat die 50-Jährige diesen Reichtum den Fußbällen.

„GEPA – The Fair Trade Company“ zahlt für Fußbälle durchschnittlich 21,81 Prozent mehr als die kommerziellen Kunden von Talon Sports. Seit 1998 bezieht die GEPA ihre fairen Bälle vom Transport der fertigen Bälle des Sport-artikelhersteller Talon Sports im pakistanischen Sialkot. Die GEPA zahlt Talon Sports je nach Qualitätsstufe eine Prämie zwischen 0,33 und 0,83 Euro.

Insgesamt hat Talon Sports eine Menge an Mehrpreisgeldern erhalten. Über die Verwendung entscheidet eine Gruppe, die sich aus Näherinnen und Nähern sowie Vertretern von Talon zusammensetzt. Die Gelder werden im Wesentlichen in vier Bereiche aufgeteilt: Der erste ist die Zahlung höherer Stücklöhne. Dabei erhält die Näherin oder der Näher für einen kommerziellen Ball der Qualitätsstufe B wesentlich weniger Geld als für einen fairen gehandelten Ball. Dieses Geld kommt oft der Ausbildung der eigenen Kinder oder der jungen Geschwister zu gute.

Dann gibt es noch die Einrichtung eines Kreditfonds für Dorfentwicklungs- oder Sozialmaßnahmen. Dabei geht es vor allem darum, die wirtschaftliche und soziale Situation der Produzenten und deren Familien zu verbessern.

Außerdem werden die sozialen Bedingungen in den Talon-eigenen Nähzentren verbessert. Als letztes gibt es noch eine umfassende medizinische Betreuung für die Näherinnen und Näher sowie deren Familien in Form eines Gesundheitsprogramms.

Das sportliche Design und die neue Anti-Leak-Buytl-Blase zeichnen die Bälle aus und machen den Unterschied. Die Bälle werden nach wie vor mit der Hand genäht und kommen aus der Fußballproduktions-Metropole Sialkot in Pakistan.

Ich befragte Frau Karin Mindthoff, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Weltladen „esperanza“ in Wesel, der die Bälle aus der Sortiment der GEPA verkauft. Sie erzählt, dass der Faire Handel dazu beigetragen hätte, dass die Hintergründe der Fußballproduktion in Deutschland bekannt wurden. Ausbeuterische Kinderarbeit in der pakistanischen Fußballproduktion gehöre weitgehend der Vergangenheit an. Die Näherinnen und Näher in Pakistan erhalten zwischen 30 und 75 Cent pro Ball. Im Weltladen „esperanza“ ist der Ball für 22,95 Euro zu erhalten.

Laut Karin Mindthoff sei der Preis sehr gerecht, da so den Näherinnen und Nähern in Pakistan geholfen werden könne. Frauen wie Zahida können nur deshalb einen Kredit aufnehmen und ihr eigenes Geschäft gründen. Manch‘ einer gönnt sich sogar einen Kühlschrank, der dort als Luxusartikel gilt.

Arne Mindthoff, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium

Die Geschichte des Preußen Museums – Von der Körnerkammer zum Ausstellungsraum

Fas jeder kennt das Preußen Museum an der Zitadelle. Aber wer weiß schon, dass das Gebäude ursprünglich als Körnermagazin gebaut wurde? Es wurde um 1835 errichtet, um in Kriegszeiten Getreide in der angrenzenden Bäckerei verarbeiten zu können, damit es bei Belagerungen ausreichend Brot gab.

Das Körnermagazin wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, und nach Kriegsende lebten Familien, die ihre Wohnungen verloren hatten, darin. Margret M., die selbst von 1946 bis 1954 dort lebte, erinnert sich, dass das Dach im Krieg zerstört worden und mit Rohren von der Rheinbrücke geflickt worden war. Die Eingänge hatten keine Türen, die Wände waren feucht.

Die Familie Böhmer hatte zu jener Zeit einen Kartoffel- und Gemüsegroßhandel vor Ort. Danach hatte das Möbelgeschäft Brocksieper und Knut dort seinen Sitz, bis schließlich das Gebäude umgebaut wurde: mit Wohnungen für Asylbeantragende. Um 1993 kam schließlich das Preußen-Museum in das alte Körnermagazin, während das Stadtarchiv in der ehemaligen Bäckerei aufgenommen wurde.

Seit dem 3. Mai befindet sich die neue Ausstellung „Im Westen viel Neues“ in dem alten Gebäude, dessen Kellergeschoss noch eine „historische Raumteilung“ hat, während das Erd- und Obergeschoss beim Einzug des Museums umgebaut wurden. Die Ausstellung kann man dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr besichtigen.

Linda Tammeweski, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium

Verkehrspolitik – Mehrhoog, das geteilte Dorf

Der Bau eines dritten Gleises wird nicht mehr zu verhindern sein, da die Niederländer den Güterverkehr auf der Betuwe-Linie steigern wollen. Werden die Folgen nun ständig geschlossene Bahnübergänge und Dorftrennungen sein?

Die deutsche Regierung versicherte im Vertrag von Warnemünde der niederländischen Regierung, dass die Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen dreigleisig ausgebaut wird. Viele Mehrhooger fragen sich nun, ob sie in der nächsten Zeit noch den viel befahrenen Bahnübergang in der Dorfmitte nutzen können oder ob sie demnächst weite Umwege mit dem Auto fahren müssen, um zur anderen Seite des Dorfs zu gelangen.

Bewohner, die direkt an der Bahnlinie wohnen, stört jetzt schon der Lärm der vielen Personen- und besonders der Güterzüge. Die zweigleisige Strecke gibt eine Kapazität von 240 Zügen am Tag her. Das heißt, dass alle sechs Minuten ein Zug vorbeifährt. Schon heute steht man bei fast jeder Überquerung der Gleise vor verschlossenen Schranken. Doch da die Niederländer perspektivisch mehr fahren wollen, muss das dritte Gleis her. Zusätzlich soll noch ein Ausweichsgleis gebaut werden.

Deshalb stellt man sich in Mehrhoog und auch in vielen anderen Dörfern die Frage, ob es möglich ist, die Bahn unter der Straße durchzuführen, also die Bahn in eine so genannte Troglage zu legen, oder ob eine Unter- oder Überführung der Straße in Frage kommt. Laut Manfred Boshuven, Stadtplaner der Stadt Hamminkeln, ist im Zuge der Bahnhofstraße eine Unterführung für Fußgänger, Radfahrer und Autos geplant. Als aktive Lärmschutzmaßnahmen sind vier Meter hohe Lärmschutzwände und möglicherweise ein Schall absorbierendes Schotterbett vorgesehen.

Dies alles würde als Lärmschutz den Anwohnern wohl kaum genügen. Es müssten also auch noch passive Maßnahmen getroffen werden, wie etwa spezielle Schallschutzfenster. Diese wirken jedoch nur im Wohnbereich, der Lärm im Garten bleibt. Die Kosten für solche Maßnahmen bekämen die Betroffenen erstattet. Die Bahn hat aber noch keine endgültigen Maßnahmen vorgelegt. Manfred Boshuven glaubt, dass es nicht zu einer Troglage kommen wird, da man bei der Unterführung der Bahn das Grundwasser erreiche. Dies würde die Baukosten zu stark erhöhen. Doch die Bürgerinitiative kämpft weiter, um die vier Meter hohen Lärmschutzwände und die damit verbundende Dorftrennung zu verhindern.

Doch das im Moment Wichtigste ist, dass der Bahnübergang offen bleibt. Während in der nahe gelegenen Feldmark nur eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer entstehen soll.

Jolene Ressing, Wesel, Konrad-Duden-Gymnasium